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SIBYLL KALFF aus der Folge "Totentanz" 1989 Pinsel in Tusche jeweils 420 x 280 mm jeweils signiert und datiert u.r. "1989 S. Kalff" | ||
TotentänzeDer fünfteilige Zyklus gehört zu einer motivisch einheitlichen Serie von Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen zur Todesthematik, die in der Zeit von 1987 (als Sibyll Kalff ihr Kunststudium an der Fachhochschule Köln begann) und 1990 entstanden sind und ihre erste geschlossene Werkgruppe in ihrem künstlerischen Schaffen repräsentierten. Als überwiegend figurative oder abstrakt gestaltete Variation des Themas, die auf jegliche erzählerische Rahmenbehandlung verzichten, sind sie auf die Begegnung Mensch-Tod konzentriert. Ihre Bildformulierung bewegt sich in der Spanne von inniger stiller Umarmung - von "mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen" - bis zum entfesselten Tanz. Neben den anthropomorphen Figuren tauchen immer wieder imaginäre Tiere, Tierskelette oder rätselhafte phantastische Mischwesen (von der Künstlerin als "Stiermenschen" bezeichnent) auf. Der Ausgangspunkt ihrer Todesfiguration war die "reine Freude am Zeichnen" sowie die intensive Beschäftigung mit dem Aktzeichnen und der Aktmalerei seit 1986, dem Jahr, in dem sie nach Schulabschluß erstmalig Malereikurse and der Sommerakademie Trier besuchte. Als gleichermaßen bedeutend empfand sie ihre Nepalreise von 1987, während der sie "spontan viel gezeichnet hatte", Landschaften und Figuren, aber auch "Mischwesen, Verstümmelungen und Alptraumvisionen". Gleichfalls spontan entwickelten sich hieraus die immer aufs Neue variierten Todes- und Totentanzmotive, ursprünglich und kontinuierlich in Zeichnungen (Graphit, Wachskreiden, Schellack oder Tusche) und seit 1989 auch in einer Vielzahl überlebensgroßer Acrylmalereien sowie Gips- und Drahtskulpturen. Als Hintergrund für ihre Hinwendung zu diesem Thema nannte die Künstlerin "schwere Krankheit und Tode in der Familie, Kindheit in Deutschland im Bewußtsein der grauenhaften Vergangenheit, dier Faszination für Vor- und Frühgeschichte, Bhuddismus, Taoismus, Literatur, Reisen, die Knochenornamente in den Katakomben von Rom, (....) ". Die schöpferische Auseinandersetzung mit dem Tod war mit einer gesteigerten Lebenslust verbunden, bedeutete für sie, "das pure Sein, die Schönheit des Augenblicks, das Jetzt, jeden Moment intensiv zu spühren und zu erleben" (Sibyll Kalff in einem Brief an die Kustodin der Sammlung). In den fünf Zeichnungen der "Totentanz"- Folge von 1989 liegt der Akzent auf dem Motiv des Tanzes, in dem anstelle der meist stilisierten Mensch-Tier-Gestalten abstrakte Linienstrukturen auftreten. Die suggestive Kraft der heftig bewegten, ineinander verschlungenen Pinselstriche, die spätmittelalterliche Vorstellungen vom Reigentanz evozieren, zeugt vom gelungenen Versuch, das alte Motiv mittels einer stark reduzierten und die Abstraktion erreichende Bildsprache zu gestalten und somit neue Ausdrucksformen zu finden. Offenbar wird auch der Versuch, den Tod in seiner Abstraktheit und allgemeinheit zu vergegenwärtigen. Die Folge gehört zu den Totentanzformulierungen, die den Weg der konskrakrierten Darstellung verlassen und die alte Bildidee "nur noch über den Titel assoziativ mitteilen" (Kasten, S.251). In der Gestik und dem inspirativen Charakter der kraftvoll expressiven Strichführung, von der die Zeichnung ihre visuelle Wirksamkeit erhalten, vermochte die Künstlerin auch die eigenen empfindung ihrere Arbeit als "Bewegung und Rausch, Tanz der Pinsel und Tusche" oder "mit dem Pinsel getanzte Augenblicke" zu verwirklichen. Eva Schuster
aus: "Totentanz vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart" - eine Ausstellung ausgewählter Werke der Graphiksammlung "Mensch und Tod" der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, 2001 (deutsche und japanische Version des Kataloges) Die Graphiksammlung "Mensch und Tod" der Heinrich-Heine-Universität DüsseldorfIm Jahre 1976 kam die Universität Düsseldorf in den Besitz einer wertvollen Kollektion von fast 1.000 Originalgraphiken und Zeichnungen zur Todesthematik, die, inzwischen auf über 3.000 Darstellungen angewachsen, die weltweit größte und bedeutendste in ihrer Art sein dürfte. Der 1976 erworbene Grundstock stammt aus der "Totentanz"-Sammlung des Berliner Chirurgen Professor Dr. med. Werner Block (1893-1976), der sich bereits als Medizinstudent und junger Arzt für diese Problematik besonders interessierte und in jahrzehntelangen Bemühungen repräsentative Graphiken zum Thema zusammentrug. Dass diese kostbare Spezialsammlung für die Universität gewonnen werden konnte, ist einerseits dem Wunsch von Professor Block, sie an eine wissenschaftliche Institution zu veräußern und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, und andererseits dem Einsatz von em. Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hans Schadewaldt, dem langjährigen Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin, sowie der Unterstützung durch die Freunde und Förderer unserer Universität zu verdanken. Die Betreuung und wissenschaftliche Auswertung der Sammlung wurde dem Institut für Geschichte der Medizin übertragen, das von Anfang an stets bemüht war, neben der wichtigsten Aufgabe - Erforschung und Katalogisierung des Bestandes -, die Sammlung durch Veröffentlichungen, Vorträge und vor allem zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Darüber hinaus wurde sie durch Neuerwerbungen - wiederum dank der Hilfe unserer Mäzene - ständig bereichert und aktualisiert. Gegenwärtig enthält die Sammlung eine fast vollständige Reihe repräsentativer Totentanzzyklen, von der wohlbekannten Holzschnittfolge Hans Holbeins d. J. (1497/98-1543) "Bilder des Todes" aus dem Jahre 1526 bis zu hochaktuellen Totentänzen zeitgenössischer Künstler sowie eine Fülle symbolischer und allegorischer Einzeldarstellungen zum Themenkomplex Vergänglichkeit, Sterben und Tod, vom Ende des 15. Jahrhunderts bis auf unsere Tage.
Das Institut erreichen immer wieder Bitten von kleineren Gruppen und Einzelpersonen, die Sammlung sehen zu dürfen. Dies ist in den meisten Fällen weder aus räumlichen noch aus zeitlichen Gründen möglich. Glücklicherweise wird die Sammlung in besonderer Auswahl immer häufiger öffentlich ausgestellt, so dass sich die Interessierten dorthin wenden können. Ort und Termin sind hier aufgeführt.
Außerdem gibt es eine Reihe von Publikationen, die Bilder aus der Sammlung vorstellen. Empfohlen seien: E. Schuster, Mensch und Tod. Graphiksammlung der Universität Düsseldorf. Bestandskatalog. Triltsch Verlag Düsseldorf 1989 E. Schuster [Hrsg.], Das Bild vom Tod. Graphiksammlung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (mit Vorwort von Johannes Rau und Beiträgen von E. Schuster, G. Kaiser, A.E. Imhof, H.H. Jansen und R. Jansen, J. Weiss und H. Schadewaldt). Recklinghausen 1992. S. Guthke, Ist der Tod eine Frau? Geschlecht und Tod in Kunst und Literatur. München 1997 "die waage" 30 (1991), Nummer 3, zum Thema: Die Totentanzsammlung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, mit Beiträgen von E. Schuster, H.H. Jansen, G. Kaiser, H. Schadewaldt, J. Weiß G. Kaiser [Hrsg.], Der tanzende Tod. Mittelalterliche Totentänze. Frankfurt a.M. 1982 |
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